Der Fachgruppen-Guide fürs Fö N-Festival
Kreativität ist eine Kulturtechnik. Wie ihr sie beim Fö N-Festival aus vier Blickwinkeln neu seht, steht in diesem Artikel.
Lesedauer: 5 Minuten
1. Die Headliner: Kluge Köpfe und Menschen, die bewegen
Kreativität lebt von Menschen, die sie täglich kultivieren. Ein paar der besten ihres Fachs haben wir für euch aufs Fö N-Festival geholt. Den Auftakt machen am Donnerstagabend zwei, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Francesca Ferlaino, Wissenschafterin des Jahres in Österreich, forscht als Physikerin an der Universität Innsbruck; der vielfach ausgezeichnete Schauspieler Rainer Bock (er spielte unter anderem in Michael Hanekes Das weiße Band und Quentin Tarantinos Inglourious Basterds) steht seit Jahrzehnten vor der Kamera und liest bei der Festivaleröffnung ein literarisch-musikalisches Bühnenprogramm mit ewig gültigen Texten des Kabarettisten und „philosophischen Clowns“ Hanns Dieter Hüsch. Der Abend dreht sich um die Urkräfte unserer Realität, sie erklärt sie, er spricht sie aus.
Am Freitagnachmittag kommt Jianping He nach Wilten. Der Grafikdesigner und Verleger arbeitet mit seinem Studio hesign zwischen Europa und China und zählt zu den prägenden Stimmen im zeitgenössischen Grafikdesign. Unter dem Titel „Paperworks“ zeigt er, was Gestaltung leistet, wenn man sie als kulturelle Praxis ernst nimmt.
Am Samstagabend übernimmt Katharina Cibulka. Mit ihrem Projekt SOLANGE hängt sie seit sieben Jahren Sätze auf Baugerüste, an denen man schwer vorbeischauen kann. In „Die Kunst des unübersehbaren Einspruchs“ erzählt sie, warum Feminismus alle angeht – und Männer ganz besonders.
2. Der musikalische Vibe
Musik zählt zu den ersten kreativen Ausdrucksformen der Spezies Homo. Das Fö N-Festival führt diese Tradition fort und füllt St. Bartlmä mit Klang und Beats. Drei Abende, drei Konzerte, und keines davon klingt wie das andere. Woschdog eröffnet am Donnerstag ab 21.30 Uhr. Am Freitag um 22.15 Uhr übernimmt Cemplified feat. Samuel Plieger die Halle 6.
Am Samstag ab 21 Uhr wird es dann deutlich: Monobrother, den man den Karl Kraus des HipHop nennt, bringt sein Album „Mir geht’s um die Menschen“ mit. Im Vorprogramm steht Klebstoff, ein Duo zwischen Synth-Pop und Minimal Wave, das mit antreibenden Drumsequenzen und whimsical Synth-Melodien arbeitet.
Wer lieber früh als spät feiert, stellt sich für Freitag den Wecker. Beim Electric Sunrise Breakfast gibt es ab 6.30 Uhr Musik zum Sonnenaufgang und Frühstück dazu. Und schon am Donnerstagnachmittag lassen sich die Wiltener Sängerknaben und der Mädchenchor beim Proben über die Schulter schauen.
3. Die sensationellen Sidestages
Hier wird es bunt, wild, interdisziplinär. Und genau darum geht es. Unfassbar viele unterschiedliche Workshops, Labs, Interventionen und Impulse warten auf euch. Hier nur ein paar:
In der Glockengießerei Grassmayr könnt ihr dem Handwerk des Klangs zuhören. Beim Typowalk liest Markus Weithas mit euch die Schrift der Stadt. In der Buchbinderei Sanders gibt es Material-Speed-Dating. Das Tiroler Landestheater lässt euch hinter die Kulissen spechteln.
TreffPunktText und das KI Café fragen, was am Anfang war, und antworten mit „der Prompt“. Clemens Ascher erzählt von der Idee bis zur Umsetzung. Cine Tirol schaut hinter die Kamera und vor den Berg. Das Jugendtheaterkollektiv Kufstein Diaries verhandelt in „Delete Humanity“ KI, Menschlichkeit und Macht. Und wer wissen will, was das teuerste Kunstwerk Österreichs gekostet hat, bekommt am Samstag eine Antwort. Der kreative Nachwuchs baut mit bilding an zwei Tagen Freiräume. Und wer zwischendurch Hunger auf noch mehr bekommt, setzt sich am Samstag zum diskursiven Mittagessen „Schon genug?“. 4. Die drei Podien: Schöner diskutieren
Wir finden: Es gehört anders diskutiert. Die Podiumsgespräche beginnen nicht mit Argumenten, sondern mit einem künstlerischen Moment: Ein Text, ein Bild oder ein Klang eröffnet den Raum – leise, konzentriert, vielleicht überraschend. Diese Interventionen sollen eine Einladung zum Innehalten, zum Zuhören, zum Mit- und Weiterdenken sein. Dann beginnt das Gespräch. Dort treffen unterschiedliche Zugänge aufeinander: Menschen mit Erfahrung und Menschen mit Fragen, Praktiker:innen und Suchende, Perspektiven, die sich ergänzen, widersprechen und weiterführen.
Fö N_Podium #1: Wie besser wirtschaften? läuft am Freitag ab 18 Uhr. Es geht um Wirtschaft als gestaltbares System und um Unternehmenskulturen, die den Sinn des Wirtschaftens nicht im Streben nach Wachstum sehen, sondern in der Verwirklichung des Menschen als Original. Unter der Moderation von Susanne Barta diskutieren Antje Bierwisch, Professorin mit den Schwerpunkten Innovation and Entrepreneurship am MCI Innsbruck, die Unternehmerin und Organisationsentwicklerin Elisabeth Sechser, die Nachhaltigkeitsforscherin Ines Omann, sowie der Hotelier und Fotograf Florian Mahlknecht aus Meran, der die Tradition des übernommenen Familienbetriebes ziemlich anders betrachtet.
Fö N_Podium #2: Wie Zukunft lernen? startet am Samstag um 15.30 Uhr. Hier geht es um Schule, Bildung und die Frage, welche Kompetenzen eine Welt braucht, die sich so schnell dreht. Das Podium lotet aus, wie ein Bildungssystem aussieht, das Originale ins Leben entlässt statt Absolvent:innen. Unter der Moderation von Ivona Jelčić diskutieren die Historikerin und Autorin Mirjam Zadoff, der Vizerektor der Pädagogischen Hochschule Tirol Gregor Örley, die Gründerin und Leiterin der Innsbrucker Kunst- und Architekturschule bilding Monika Abendstein, sowie Ulrike Schmidt-Zachl, Mitgründerin und zehn Jahre lang Schulleiterin der ROSE, dem Gymnasium in der Tabakfabrik in Linz, das 2025 als eine der innovativsten Schulen Österreichs ausgezeichnet wurde.
Fö N_Podium #3: Die Zukunft des Originals schließt den Diskussionsreigen am Samstag um 19 Uhr ab. Die Frage lautet, was vom Menschlichen bleibt, wenn die KI das Machen übernimmt. Die Antwort des Festivals klingt gleichermaßen altmodisch wie aktuell: Aufmerksamkeit, Zusammenarbeit, Empathie und die wunderbare Kraft einer von Neugierde getriebenen, in keinen Code formalisierbaren menschlichen Kreativität.
Fö N Festival 26. The Future of Original.
24. bis 26. September 2026, St. Bartlmä Innsbruck. Drei Tage Kreativität in Design, Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Kunst, dazu Talks, Workshops, Interventionen und Konzerte. Meist freier Eintritt, Karten reserviert ihr trotzdem besser vorab.
Programm und Karten