Wirtschaft neu und anders denken
Ein kurzer Reisebericht vom World Beautiful Business Forum in Athen
Lesedauer: 3 Minuten
Athen vor 2.500 Jahren. Eine unruhige, von tiefen sozialen, wirtschaftlichen und militärischen Krisen geprägte Stadt. Und trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) entstand daraus eine revolutionäre, bis heute fortwirkende Idee: die Demokratie. Nicht aus Idealismus, sondern als pragmatische Rettung vor dem drohenden Bürgerkrieg. Es war der Wille der Menschen der Stadt, der Übermacht und Willkür des Adels Grenzen zu setzen. Niemand hielt das für möglich – und doch ist es gelungen.
Athen heute. Ein Anschauungsbeispiel für eine Stadt im Niedergang ebenso wie im Aufbruch. Die Spuren der zurückliegenden Jahrzehnte der wirtschaftlichen Probleme und des de facto Staatsbankrotts sind überall sichtbar. Armut auf den Straßen, verfallende Häuser und Straßenzüge schaffen einen kaum zu überbrückenden Kontrast zur Blütezeit dieser Stadt, in der Kleisthenes und Perikles die Grundsteine zum „Goldenen Zeitalter“ legten, deren beeindruckende Überreste noch heute Millionen Touristen bestaunen. – Und trotzdem: Diese Stadt ist zugleich ein Ort, der wie kaum ein anderer geeignet ist, sich erneut die Frage nach einer anderen, humaneren Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft zu stellen.
Genau dieser Frage widmete sich das World Beautiful Business Forum im Mai – eben in jener Stadt, in der vor 2.500 Jahren die so wirkmächtige Idee der Demokratie entstanden ist.
Mehr als 800 Teilnehmer:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Design und Bildung diskutierten über die Zukunft einer Wirtschaft, die nicht nur auf Effizienz und Wachstum, sondern auch auf Sinn, Verantwortung und das kreative menschliche Potenzial ausgerichtet ist. – Die Ausgangsthese des Forums: Wer die Krisen unserer Zeit ernst nimmt, kommt an der grundlegenden Frage nicht vorbei, ob unsere bisherigen Vorstellungen von Wirtschaft und Gesellschaft zu deren Lösung ausreichen. Gesellschaftliche und politische Spannungen, technologische Umbrüche, der Klimawandel und neue globale Unsicherheiten lassen sich kaum mit denselben Denkweisen lösen, die viele dieser Probleme gerade mitverursacht haben. Sich von ihnen zu lösen beginnt deshalb damit, bis zu ihren Ursachen vorzudringen. Und am Ende stehen neue Geschäftsmodelle, deren Basis eine ethische und ökologische Unternehmenskultur, emotionale Intelligenz, die Suche nach Sinn in der modernen Arbeitswelt und – gerade heute so wesentlich – der verantwortungsvolle Umgang mit Künstlicher Intelligenz darstellen.
Das Forum wurde veranstaltet vom House of Beautiful Business, eine Plattform und Community, die 2017 von dem deutsch-amerikanischen Autor Tim Leberecht und dem Unternehmer Till Grusche gegründet wurde (letzterer war übrigens beim Fö N Festival 2024 zu Gast). Sie bringt Führungskräfte, Gründer, Kreative, Künstler, Technologen und Aktivisten zusammen. Das jährlich stattfindende Forum ist der Höhepunkt eines umfangreichen Angebots an Events, lokalen Treffen sowie Online-Programmen und Kursen.
Wenig überraschend standen bei vielen der über 130 Sessions des Forums die Themen Kreativität und Bildung im Mittelpunkt. Nicht als weiche Faktoren, sondern als zentrale Voraussetzungen für Innovation, gesellschaftliche Entwicklung und unternehmerische Zukunftsfähigkeit. Besonders inspirierend waren die Beiträge des Kulturphilosophen Bayo Akomolafe, der dazu einlud, vertraute Gewissheiten zu hinterfragen und neue Perspektiven auf die Herausforderungen unserer Zeit einzunehmen. Einige weitere Highlights des Forums findet ihr hier.
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus Athen: Trotz aller Krisen gibt es weltweit viele Menschen, die nicht auf einfache Antworten setzen, sondern an besseren Fragen und daraus ableitbaren, besseren Lösungen arbeiten. Vorausschauende Unternehmen, auch in Tirol, haben das längst erkannt. Und für jene, die bisher keine Gelegenheit hatten, sich mit diesen Dingen eingehender auseinanderzusetzen: Das im September stattfindende Fö N Festival in Innsbruck wäre eine.
Kurt Höretzeder
Anmerkung: Der Besuch des World Beautiful Business Forum in Athen durch Kurt Höretzeder wurde privat finanziert.