Marktzugang Security & Defence: Dynamik im Militärsektor nutzen
Über die Dynamik aber auch die Hürden im Defence-Bereich informierte die Veranstaltung „Marktzugang Security & Defence – Orientierung für Unternehmen“ der Außenwirtschaft Salzburg.
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Der Defence-Sektor ist ein sehr ertragreicher aber äußerst zäh zu bearbeitender Wirtschaftsbereich. So lautete die Conclusio der jüngsten Informationsveranstaltung der Abteilung Außenwirtschaft der WKS. „Als Wirtschaftskammer wollen wir vor allem aufzeigen, dass die Defence-Wirtschaft kein geschlossener Bereich und nur auf Waffen beschränkt ist. Vielmehr bietet er auch für die innovative Salzburger Wirtschaft Möglichkeiten, als Zulieferer aktiv zu werden“, sagte WKS-Vizepräsident Manfred Rosenstatter.
Verteidigungsausgaben massiv erhöht
„Mit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 hat die sicherheitspolitische Beschaulichkeit in Europa geendet“, betonte ObstdG Markus Kohlweg, der über eine Video-Liveschaltung aus Brüssel zugeschaltet war. Er ist der permanente Vertreter des Rüstungs-, Forschungs- und Fähigkeitsdirektors zu den relevanten Organisationen und Arbeitsgruppen in EU und Nato. Auch für die Zukunft zeichnete er ein eher düsteres Bild: „Seit Februar tobt der Iran-Krieg, und auch in der Taiwan-Frage kann man schwer abschätzen, wie sich China weiter verhalten wird. Die Möglichkeiten reichen von einer Seeblockade bis zum offenen Konflikt“, so Kohlweg weiter. Besser werde es aber in keinem Fall.
Einer der deutlichsten Effekte dieser Entwicklung sei die massive Steigerung der Verteidigungsbudgets in Europa. Die deutsche Politik hat angekündigt, 430 Mrd. € in den Wiederaufbau der militärischen Fähigkeiten investieren zu wollen, in Österreich sind es bis 2032 18 bis 20 Mrd. €.
Damit auch die heimische Wirtschaft möglichst stark von diesem „Boom“ profitiert, ist die Wirtschaftskammer neben der Außenwirtschaft auch mit zwei Arbeitsgemeinschaften, nämlich der Arge Sicherheit und Wirtschaft sowie der Arge Industrielle Kooperation und Luftfahrttechnologie, aktiv. In der Arge Sicherheit sind die WKÖ, vier Fachverbände und 200 Unternehmen zusammengeschlossen. Die dort aktiven Betriebe stehen für einen kumulierten Umsatz von 5,1 Mrd. € sowie eine Exportquote von 94%. Aufgabe der Arge Industrielle Kooperationen ist es, österreichische Unternehmen in die Lieferketten ausländischer Rüstungshersteller zu bringen. „Das ist in jedem europäischen Land Usus, und darauf legt heute jede Regierung wert“, erläuterte Reinhard Marak, Leiter der Stabstelle Krisenmanagement und Sicherheitsvorsorge in der WKÖ. Eine gute Möglichkeit, in diesem Bereich Fuß zu fassen, seien Defence-Messen, wie etwa die demnächst stattfindende „Eurosatory“ in Frankreich, wo man mit einem Österreich-Stand vertreten sei.
Langer Atem notwendig
Wie der Einstieg in den Defence-Bereich gelingen kann, erläuterte Klaus Schreiber, der bei der Palfinger AG mit Sitz in Bergheim für die Bereiche Marine und Special Solutions verantwortlich ist: „Man braucht in diesem Bereich einen extrem langen Atem, weil es im Gegensatz zu unserem Standardgeschäft sehr langläufig ist.“ Es gehe hier um Ausschreibungen, die fünf Jahre dauern können. Habe man den Auftrag aber einmal unter Dach und Fach, sei ein sehr guter und langfristiger Umsatz gesichert. Trotz der Nachteile, wie aufwendige Zertifizierungen und Exportkontrollen, gebe es auch einige Vorteile. „Zum Schutz der Soldaten entwickeln wir jetzt stark autonome Systeme, die sicher Eingang in die zivile Nutzung haben werden“, so Schreiber. Auch beim Pinzgauer Entwickler für Drohnen-Software, dForce Technology, kennt man diese Hürden. Die neuartige Software ermöglicht Drohnen eine vollständig autonome Navigation, und sie sind auch gegen Signalstörungen bzw. Drohnenabwehr immun. „Es braucht unbedingt Vereinfachungen bei Vorschriften und Gesetzen. Da sind wir in Österreich noch zu langsam“, so Andreas Perotti von dForce.
Kommende Vereinfachungen kündigte der Leiter der Salzburger Außenwirtschaft, Thomas Albrecht, an: „Eine Novelle im Sicherheitsexportgesetz soll eine Verkürzung der Verfahren bringen.“ Beschleunigend wirken werde auch eine elektronische Antragstellung. Angedacht sei auch eine eigene Exportförderung.