Entgelttransparenz mit Augenmaß umsetzen
Die EU-Richtlinie wird eine weitere Belastung für die ohnedies schon schwer unter Druck stehende heimische Wirtschaft bringen. Bei der Umsetzung in österreichisches Recht ist deshalb Augenmaß notwendig.
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„Eigentlich hätte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen versprochen, die Bürokratie aus Brüssel zurückzufahren, jetzt wartet aber schon das nächste Bürokratiemonster vor der Tür“, ärgert sich WKS-Präsident Peter Buchmüller. Er hofft, dass die Umsetzung in heimisches Recht mit Augenmaß erfolgt. Man müsse nicht wieder den Musterschüler spielen und die Richtline hierzulande mit Gold Plating verschärfen. Sozialministerin Korinna Schumann habe bereits strenge Strafen angekündigt.
Lohnungleichheit an der Wurzel anpacken
„Ich möchte klarstellen, dass ich selbstverständlich für Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern bei gleicher Arbeit und Leistung bin. Die Richtlinie setzt aber den Hebel an der falschen Stelle an“, betont Buchmüller. Man solle besser die Berufswahl der jungen Frauen ins Visier nehmen, die sich leider allzu oft für Jobs entscheiden, die aus unterschiedlichen Gründen nicht besser bezahlt werden können. Auch der Ausbau einer flächendeckenden Kinderbetreuung, der eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht sei ein besserer Hebel.
„Was mich als Unternehmer stört, ist, dass es für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber schwieriger werden könnte, Leistungsträgerinnen und Leistungsträgern mehr zu bezahlen, weil jene, die Dienst nach Vorschrift machen, den gleichen Lohn verlangen können“, kritisiert Buchmüller das geplante Gesetz. Außerdem verweist er als ehemaliger Lohnverhandler auf die Kollektivverträge, die sozialpartnerschaftlich ausverhandelt werden und genderneutral sind. Dieses erfolgreiche System mit einer Abdeckung von rund 98% dürfe durch die Entgelttransparenzrichtlinie nicht ausgehöhlt werden. Nachdem die Richtlinie bisher nur Malta und Belgien ratifiziert haben, hofft der WKS-Präsident, dass sich in Brüssel doch noch die Vernunft durchsetzt. „Am sinnvollsten wäre ein ,Stop the Clock'-Verfahren, bei dem die Richtlinie überarbeitet wird und die Giftzähne gezogen werden. Denn derartige bürokratische Regulierungen ersticken die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft."