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Warum das Großprojekt Festspielbezirk 2030 Salzburgs Wirtschaft stärkt

Lukas Crepaz im Interview: Herausforderungen und Chancen des Festspielbezirks 2030 für Salzburgs Wirtschaft. 

Lesedauer: 5 Minuten

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Aktualisiert am 21.07.2026

Wie ist der aktuelle Stand des Projekts „Festspielbezirk 2030“?

Die erste wichtige Etappe – die Ouvertüre des Projekts – ist bereits fast abgeschlossen: Das neue Festspielzentrum am Herbert-von-Karajan-Platz wird im Herbst 2026 eröffnet. Dieses Projekt konnte vollständig privat finanziert werden. Hans Peter Wild stellte dafür 12 Mill. € zur Verfügung. Auch die Sanierung des Schüttkastens mit neuem Kartenbüro und Shop wurde durch die Unterstützung des Vereins der Freunde und Förderer der Salzburger Festspiele sowie weiterer Mäzene ermöglicht. Damit schließen wir eine Lücke: Erstmals gibt es außerhalb der Foyers einen Ort, an dem die Festspiele ganzjährig erlebbar werden.

Mit Herbst 2026 beginnt die erste Hauptbauphase. Diese umfasst die Sanierung des Großen Festspielhauses, die Erweiterung in den Mönchsberg mit der neuen Kaverne sowie den Neubau des Werkstätten-Gebäudes und der Zufahrt. Dafür sind 395 Millionen Euro vorgesehen. Das Große Festspielhaus wird ab Herbst 2028 geschlossen und soll zu den Salzburger Festspielen 2030 wieder bespielbar sein.

Die zweite Bauphase betrifft die Sanierung des Hauses für Mozart und der Felsenreitschule. Dafür sind rund 86 Millionen Euro kalkuliert. Die Finanzierung ist derzeit noch offen und hängt von der budgetären Entwicklung ab.

Während der Sanierung des Großen Festspielhauses braucht es Interimslösungen – insbesondere eine Ersatzspielstätte sowie die Auslagerung der Werkstätten. Dafür sind insgesamt rund 38 Mill. € vorgesehen, rund 40% davon entfallen auf die Ersatzspielstätte.

Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen?

Die größte Herausforderung sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Pandemie, Energiekrise und geopolitische Entwicklungen haben zu einer Rekordinflation geführt. Die Baupreise sind zwischen 2019 und Ende 2023 um rund 37% gestiegen – Entwicklungen, die nicht vorhersehbar waren und uns bis zum Projektende begleiten werden. Das aktuelle Budget beruht auf marktüblichen Projektkosten und enthält Reserven für künftige Valorisierungen im üblichen Rahmen.

Trotz aller Unsicherheiten gilt es, Zukunft zu gestalten. Der Festspielbezirk 2030 steht für Mut und langfristige Werte – ganz in der Tradition großer Investitionen der Festspielgeschichte.

Der Rechnungshof kritisierte unterschätzte Kosten und Risiken in der Kalkulation von 2019. Die Gesamtkosten könnten auf bis zu 635 Mill. € steigen. Wie beurteilen Sie diese Einschätzung?

Die Zahlen von 2019 lassen sich nicht direkt mit den heutigen vergleichen. Schon damals war bei der Kostenschätzung eine Schwankungsbreite von 25% ausgewiesen – diese war jedoch kein Bestandteil der Finanzierung. Gemeinsam mit Bund, Stadt und Land wurde ein fixer Kostendeckel vereinbart.

Wir haben das Projekt 2024 um rund 55 Mill. € redimensioniert und prüfen laufend, welche Maßnahmen notwendig und sinnvoll sind. Wir drehen jeden Euro dreimal um und überlegen genau, welche Investitionen für die Zukunft entscheidend sind. Bei einem Projekt dieser Größenordnung führen neue technische Anforderungen und Vorgaben immer wieder zu Anpassungen.

Wichtig ist: Wir gehen nicht aus Kostengründen in den Berg, sondern weil wir im sensiblen Umfeld des Weltkulturerbes keine andere Möglichkeit haben. Der Auftrag an den Kavernenbauer liegt innerhalb der geplanten Kosten und auch in der aktuellen Kostenberechnung der Entwurfsplanung wird der Budgetdeckel eingehalten.

Derzeit werden zwei Ersatzspielstätten für das Große Festspielhaus diskutiert. Was muss eine solche Lösung leisten?

Es braucht ein Gesamterlebnis Festspiele – unabhängig vom Ort. Entscheidend ist, dass die besondere Rolle der Festspiele als kultureller und wirtschaftlicher Motor für Salzburg bewahrt und die Verbindung zur Stadt weitergelebt wird.

Wir prüfen derzeit zwei Modelle: eine temporäre Lösung im Messezentrum, die ausschließlich während der Festspiele genutzt werden könnte, oder den Bau einer eigenen Veranstaltungshalle etwa auf den Stiegl-Gründen oder bei St. Josef.

Eine solche Lösung würde rund 2.000 Sitzplätze ermöglichen und könnte auch unseren Stammmietern während der Sanierung eine Spielstätte bieten. Sie könnte nach der Umbauphase weiter genutzt werden und ganzjährig als Veranstaltungsort dienen. Entscheidend ist daher nicht nur die kurzfristige Lösung für die Umbauzeit, sondern auch der nachhaltige Nutzen für Salzburg.

Wie soll das Gesamterlebnis „Festspiele“ außerhalb des klassischen Festspielbezirks gelingen?

Unsere Herausforderung besteht darin, ein neues Festspielerlebnis zu schaffen. Ein Standort wie die Stiegl-Gründe bietet dafür besondere Qualitäten: den Blick auf den Untersberg, das Ankommen in der Stadt sowie vorhandene Infrastruktur mit Gastronomie und Innenhof. Auch der Weg dorthin kann Teil des Erlebnisses werden. Entscheidend sind Mobilität und Erreichbarkeit.

Dafür wird ein eigenes Konzept mit öffentlichem Verkehr sowie Taxi- und Shuttlelösungen entwickelt. Die Lösung soll nicht nur die Umbauphase überbrücken, sondern langfristig einen Mehrwert für Salzburg schaffen.

Kann die Übergangsphase mit einer Ersatzspielstätte auch eine Chance sein, die Festspiele weiterzuentwickeln?

Neue Situationen sind Herausforderungen – und zugleich eine Chance, neue Formate und Zugänge zu entwickeln. Die Festspiele erreichen breite Publikumsschichten: Mit Formaten wie dem Fest zur Festspieleröffnung oder den Siemens Festspielnächten machen wir große Kunst kostenlos zugänglich.

Nach zehn Jahren als kaufmännischer Direktor sehe ich, welchen Stellenwert die Festspiele für die Salzburgerinnen und Salzburger haben. Sie sind Teil der Identität dieser Stadt. Diese Offenheit gilt es zu bewahren: Neben kostenlosen Angeboten gibt es auch ein breites Kartenangebot – rund die Hälfte der Karten kostet weniger als 120 Euro.

Welche Chancen bietet der Festspielbezirk 2030 für Salzburger Unternehmen und den Wirtschaftsstandort?

Die Salzburger Festspiele schaffen jährlich eine Wertschöpfung von rund 250 Mill. € für das Land Salzburg. Über Steuern und Abgaben fließen jährlich rund 96 Mill. € an die öffentliche Hand zurück. Die anstehenden Investitionen in die Infrastruktur sind zwar ein Kraftakt, schaffen aber langfristige Werte und sichern die Zukunft der Festspiele als Treiber des Wirtschaftsstandorts Salzburg.

Auch die heimische Wirtschaft soll vom Projekt profitieren. Beim neuen Festspielzentrum und der Sanierung des Schüttkastens konnten bereits zahlreiche Salzburger Unternehmen beauftragt werden. Für das Gesamtprojekt wird es eine europaweite Ausschreibung geben. Mein Appell an die Salzburger Wirtschaft ist es, Kooperationen einzugehen und ihre Kompetenzen einzubringen.

Woran würden Sie persönlich messen, ob das Projekt Festspielbezirk 2030 erfolgreich war?

Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeitgemäße Arbeitsbedingungen vorfinden, Besucher sich in den Häusern wohlfühlen und Künstler über eine Infrastruktur verfügen, die den Anforderungen der Zukunft entspricht.

Dann können wir nach einer herausfordernden Zeit sagen: Mit diesen Investitionen haben wir Werte geschaffen – für die Zukunft der Festspiele und für den Standort Salzburg.

Die DNA der Festspiele war immer, auch in schwierigen Zeiten, an die Zukunft zu glauben.