Zum Inhalt springen
Vier Personen stehen gemeinsam auf einem Holzsteg vor einem Gewässer und einem Boot.
© Sabine Klimpt | Lichtblick KG
Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten, Fachverband

Expert:innentreffen der Versicherungsmakler 2026

Digitalisierung trifft Regulierung. Zukunft trifft Versicherungsmakler:innen: Wohin führt die Reise?

Lesedauer: 6 Minuten

15.09.2026
Am 10. September 2026 trafen sich rund 250 Teilnehmer:innen im Seehotel Rust, um gemeinsam der Frage nachzugehen: Wohin führt die Reise für den Berufsstand? Im Spannungsfeld von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und neuen regulatorischen Vorgaben diskutierten Expert:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik über die Herausforderungen und Chancen der Versicherungsvermittlung von morgen.

Gefahren erkennen – Sicherheit gestalten: digitale Risiken

Person hält Vortrag
© Sabine Klimpt | Lichtblick KG

Den Auftakt des Expert:innentreffens gestaltete Daniel Rossgatterer, MBA (Secutec GmbH), mit seinem Vortrag „Darknet, Hacker & Co – Ein Blick hinter die Kulissen von Cyberkriminellen“. Er zeichnete ein eindrucksvolles Bild der aktuellen Bedrohungslage und zeigte auf, wie professionell Cyberkriminalität mittlerweile organisiert ist. Künstliche Intelligenz, gestohlene Zugangsdaten und spezialisierte Hackergruppen würden Angriffe immer effizienter machen. Gleichzeitig betonte Rossgatterer, dass technische Sicherheitslösungen allein nicht ausreichen. Cyberresilienz beginne beim Menschen und einer gelebten Sicherheitskultur im Unternehmen.

Mag. Kerstin Keltner, Managing Director Specialty bei Aon Austria GmbH, zeigte auf, wie sich die Rolle von Versicherungsmakler:innen im Umgang mit Cyberrisiken verändert.

Persön hält Vortrag
© Sabine Klimpt | Lichtblick KG

Angesichts zunehmender Cyberangriffe und steigender Anforderungen von Versicherern und Regulatoren würden Makler:innen zunehmend zu Cyber-Risk-Managern, die Risiken analysieren, Versicherbarkeit beurteilen und Unternehmen bei Präventionsmaßnahmen begleiten. Die Zukunft der Cyberversicherung liege daher nicht allein in der Polizze, sondern in der Kombination aus Risikomanagement, Prävention und passgenauer Absicherung.

Priv.-Doz. Dr. Isabelle Vonkilch, LL.M. (WU Wien) widmete sich den rechtlichen Herausforderungen beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Versicherungsvertrieb.

Person hält Vortrag
© Sabine Klimpt | Lichtblick KG

Sie machte deutlich, dass KI zwar Recherche, Analyse und Beratung unterstützen kann, die Verantwortung für die Beratung jedoch weiterhin beim Menschen liegt. KI biete große Chancen für mehr Effizienz, die fachliche Verantwortung und Haftung blieben jedoch bei den Versicherungsmakler:innen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Timo Kreitmair, BA (Hiscox SA), Mag. Kerstin Keltner (AON Austria), Mag. Verena Becker, BSc (Bundessparte Information und Consulting)  sowie Dr. Philip Steiner (Leiter Arbeitskreis Digitalisierung) 

über die wachsenden Herausforderungen durch Cyberkriminalität und Künstliche Intelligenz.   Einigkeit bestand darin, dass Cyberrisiken längst zu den zentralen Unternehmensrisiken zählen und Versicherungsmakler:innen ihre Kund:innen zunehmend nicht nur bei der Absicherung von Risiken, sondern auch bei der Stärkung ihrer Cyberresilienz begleiten.

Podiumsdiskussion
© Coypright Sabine Klimpt | Lichtblick KG

Das „neue“ Berufsrecht für Versicherungsmakler: innen?

Person hält Vortrag
© Sabine Klimpt | Lichtblick KG

Rebekka De Nie, EU Policy Manager des europäischen Vermittlerverbands BIPAR, eröffnete den zweiten Themenblock mit einem Überblick über aktuelle Entwicklungen in Brüssel. Sie ordnete die Retail Investment Strategy (RIS) in den größeren Kontext der europäischen Spar- und Investitionsunion sowie weiterer Regulierungsinitiativen ein und machte deutlich, dass die Versicherungsvermittlung auch in den kommenden Jahren stark von europäischen Gesetzgebungsvorhaben geprägt sein wird.

In ihrer Doppel-Conference beleuchteten Mag. Dieter Pscheidl und Mag. Jeannine Weissel, LL.M. (Vienna Insurance Group) das europäische „Value for Money“-Konzept.

Zwei Personen an Stehstischen in Doppel-Conference
© Sabine Klimpt | Lichtblick KG

Dabei hinterfragten sie kritisch, ob die neuen Vorgaben tatsächlich zu mehr Kundennutzen führen oder schrittweise eine stärkere regulatorische Einflussnahme auf Produktgestaltung und Preis-Leistungs-Verhältnisse bewirken könnten. Zugleich warnten sie davor, Wettbewerb, Innovation und individuelle Produktgestaltung durch übermäßige Regulierung einzuschränken.

Mag. Matthias Lang, Fachverbandsobmann-Stellvertreter und Leiter des Arbeitskreises „Recht“, analysierte anschließend die Auswirkungen der Retail Investment Strategy (RIS) auf österreichische Versicherungsmakler:innen.

Person vor einem Podium hält Vortrag
© Sabine Klimpt | Lichtblick KG

Er stellte klar, dass die derzeit vorliegenden Kompromisstexte kein generelles Provisionsverbot vorsehen, künftig aber deutlich höhere Anforderungen an Transparenz, Dokumentation und Vergütungssysteme stellen werden. Die provisionsbasierte Beratung bleibe damit grundsätzlich möglich, werde jedoch stärker reguliert als bisher.

Persön hält Vortrag
© Sabine Klimpt | Lichtblick KG

MMag. Stefan Trojer (Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus) widmete sich der künftigen nationalen Umsetzung der Retail Investment Strategy (RIS). Er zeigte auf, dass die geplanten Maßnahmen vor allem auf mehr Transparenz bei Kosten, Vergütungen und Produkten abzielen, gleichzeitig aber auch neue Informations-, Dokumentations- und Berichtspflichten mit sich bringen. Zudem skizzierte er den weiteren Fahrplan der RIS und die damit verbundenen Herausforderungen für die Versicherungsvermittlung.

Die abschließende Podiumsdiskussion stand im Zeichen der nationalen Umsetzung der RIS und ihrer Auswirkungen auf die Versicherungsvermittlung. Diskutiert wurden insbesondere zusätzlicher Regulierungsbedarf, die Zukunft der Lebensversicherungsvermittlung sowie die Folgen des „Value for Money“-Ansatzes für Produkte und Beratung. Fachverbandsobmann Christoph Berghammer brachte die Sicht der Versicherungsmakler:innen abschließend auf den Punkt: „Europa darf bei allen Reformüberlegungen eines nicht aus den Augen verlieren: Gute Versicherungsberatung ist kein Kostenfaktor, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Kundennutzens. Wer ausschließlich auf Kennzahlen und Produktkosten blickt, greift zu kurz. Der Wert einer Versicherung zeigt sich vor allem dann, wenn Kund:innen kompetente Begleitung und Unterstützung benötigen.“

Sechs Personen bei einer Veranstaltung auf einer Bühne, eine Person spricht am WKO Rednerpult.
© Coypright Sabine Klimpt | Lichtblick KG

Rückblick in Bildern