Zum Inhalt springen
Zwei EU-Flaggen im Wind wehend, im Hintergrund Gebäude mit Glasfassade
© Grecaud Paul | stock.adobe.com
Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker, Bundesinnung

EU-Aktuell Nr. 4: News für die Elektrogewerbe

Ausgabe Juni 2026

Lesedauer: 7 Minuten

Einen Moment bitte. Ladevorgang läuft ...
0:00
Audio konnte nicht geladen werden. Erneut versuchen
0:00
0:00
16.06.2026

Zur Aufgabe der Bundesinnung als Interessenvertretung des gesamten österreichischen Elektrogewerbes gehört auch die Pflege der Beziehungen zu ausländischen Verbänden. Als Mitglied im Europäischen Elektroverband EuropeOn bringen wir uns auf europäischer Ebene aktiv bei europäischen Gesetzgebungsvorhaben oder verschiedenen EU-Initiativen ein. Aber was sind die Themen, die die Elektroinstallationsbranche in Europa aktuell betreffen? Werfen wir gemeinsam einen Blick auf die wichtigsten bevorstehenden Gesetzesinitiativen und einige der jüngsten Aktivitäten von EuropeOn.

Internationaler Tag der Elektrotechnik am 10. Juni 2026

Kampagne des Europäischen Verbandes EuropeOn

Jedes Jahr am 10. Juni feiert die Elektrobranche den Internationalen Tag der Elektrotechnik. Diese Initiative, die 1986 von polnischen und französischen Elektrofachleuten ins Leben gerufen wurde, soll André-Marie Ampère, einen der Pioniere des Elektromagnetismus, würdigen.

Vierzig Jahre nach seiner ersten Feier bietet der Tag der Elektrotechnik die Gelegenheit, die 2,7 Millionen Elektrotechniker:innen in Europa ins Rampenlicht zu rücken, die in mehr als 420.000 Unternehmen tätig sind. Diese qualifizierten Fachkräfte sind unverzichtbar für die Förderung der Elektrifizierung und die Unterstützung eines widerstandsfähigeren und energieunabhängigen Europas.

Geschickte Hände, widerstandsfähiges Europa

Wie der diesjährige Slogan „Geschickte Hände, widerstandsfähiges Europa“ andeutet, konzentriert sich EuropeOn auf die entscheidende Rolle, die Elektriker bei der Stärkung der Widerstandsfähigkeit Europas in einem zunehmend unsicheren Umfeld spielen.

Elektriker:innen stehen an vorderster Front, wenn es darum geht, saubere Technologien einzusetzen, Gebäude zu modernisieren und die Energiesicherheit Europas zu stärken. Sie planen, installieren und warten die Systeme, die den Betrieb von Krankenhäusern, öffentlichen Dienstleistungen und Fabriken sowie die Stromversorgung von Haushalten gewährleisten. In Krisenzeiten sind sie zudem die Fachkräfte, die für Kontinuität sorgen, Systeme wiederherstellen und dazu beitragen, dass kritische Infrastrukturen funktionsfähig bleiben.

Trotz ihrer strategischen Bedeutung gehören Elektrofachkräfte zu den Berufsgruppen, in denen derzeit EU-weit ein Arbeitskräftemangel herrscht. Die Sicherstellung, dass Europa über genügend qualifizierte Elektriker verfügt, wird daher nicht nur für die Energiewende, sondern auch für die allgemeinen Sicherheits- und Vorsorgeziele Europas von entscheidender Bedeutung sein.

Auch in Österreich wurde der Internationale Tag der Elektrotechnik von der Interessenvertretung der Elektrotechniker:innen entsprechend gewürdigt.

Infografik zu zehn Beiträgen von Elektroinstallationsunternehmen für Gesellschaft und Wirtschaft
© EuropeON

Vize-Präsidentin Karlsson nimmt am Europäischen Forum für Beschäftigung und soziale Rechte teil

Am 4. März nahm Emma Elheim Karlsson, Vizepräsidentin von EuropeOn und Geschäftsführerin von Hallabro Elektriska, am Europäischen Forum für Beschäftigung und soziale Rechte in Brüssel teil und beteiligte sich an einer hochrangigen Diskussionsrunde mit Vertreter:innen der Wirtschaft zur künftigen Strategie für die berufliche Bildung. Die Sitzung wurde von Alina Ujupan, Kabinettschefin der Exekutiv-Vizepräsidentin der Europäischen Kommission Roxana Mînzatu, moderiert.

Unter Einbeziehung von Beiträgen von Unternehmensvertreter:innen aus verschiedenen Branchen konzentrierte sich die Diskussion auf neue Trends auf dem Arbeitsmarkt und die wachsende Rolle der KI in technischen Berufen. Während sich die Technologien rasant weiterentwickeln, war eine Botschaft klar: Qualifizierte Elektriker:innen werden unverzichtbar bleiben. KI sollte als Werkzeug zur Unterstützung ihrer Arbeit angesehen werden, das Produktivität und Effizienz steigert, anstatt sie zu ersetzen.

Karlsson wies grundsätzlich darauf hin, „dass die KI keine Bedrohung darstellt. Sie ist vielmehr eine gute Möglichkeit, effizienter zu werden, mehr Qualität zu erzielen und produktiver zu sein.“ Sie betonte zudem die dringende Notwendigkeit, mehr Menschen für die berufliche Bildung zu gewinnen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Steigerung der Beteiligung von Frauen liegt. Die Attraktivität beruflicher Bildungswege muss frühzeitig gestärkt werden, indem junge Menschen für die Chancen sensibilisiert werden, die diese Berufe bieten.

Ein zentraler Aspekt, den die EuropeOn-Vizepräsidentin in ihrer Rede hervorhob, ist die Bedeutung einer engeren Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Berufsbildungseinrichtungen. Die Ausrichtung der Ausbildungsprogramme auf die tatsächlichen Marktbedürfnisse ist entscheidend, um Qualifikationslücken zu schließen und eine zukunftsfähige Belegschaft zu gewährleisten.

Als konkretes Beispiel stellte Karlsson das schwedische „Programråd“-Modell (Programmrat) vor. Im Rahmen dieses Ansatzes treffen sich Berufsbildungseinrichtungen und lokale Unternehmen regelmäßig, um Ausbildungsinhalte zu bewerten und Lehrpläne an die sich wandelnden Anforderungen der Industrie anzupassen, damit die Ausbildung relevant bleibt.

Das Europäische Forum bot EuropeOn die Gelegenheit für einen wertvollen Austausch und für die Europäische Kommission, die Erkenntnisse europäischer Unternehmen bei der Ausarbeitung der kommenden Berufsbildungsstrategie zu berücksichtigen.

März-Energiepaket der EU: Investieren, entlasten, absichern

Die Kommission will mit einer Investitionsstrategie für saubere Energie, einem Bürgerenergiepaket und einer Neubewertung der Kernkraft Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Dekarbonisierung zugleich adressieren.

Die Europäische Kommission hat am 10. März 2026 ein nicht-legislatives Energiepaket vorgestellt, das Investitionen in saubere Energie mobilisieren, die Widerstandsfähigkeit des europäischen Energiesystems erhöhen und die Energiepreise für Haushalte und Unternehmen dauerhaft senken soll. Das Maßnahmenbündel ergänzt bestehende Initiativen wie den Aktionsplan für erschwingliche Energie vom Februar 2025 sowie den Net-Zero Industry Act aus dem Jahr 2024 und soll eine stärkere investitions- und umsetzungsorientierte Phase der europäischen Energiepolitik einläuten.

>>Weitere Informationen zum Thema und der gesamte Artikel 

Leistbare Energie als Standortfaktor Europas

Der Europäische Rat und der Energieminister:innen-Rat navigieren zwischen kurzfristiger Entlastung, Klimazielen und strukturellem Umbau des Energiesystems. EU-ETS und Merit-Order stehen zur Debatte.

Energiepolitik ist eines der dominierenden Themen auf europäischer Ebene – und sie stand auch im Zentrum der Beratungen des Europäischen Rates am 19. März. Vor dem Hintergrund anhaltend hoher Energiepreise, geopolitischer Unsicherheiten und von zunehmendem Druck auf die industrielle Wettbewerbsfähigkeit der EU haben die Staats- und Regierungschefs erneut deutlich gemacht, dass leistbare Energiepreise eine zentrale Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität und Standortattraktivität darstellen. Dabei rückte neben dem langfristigen Ausbau erneuerbarer Energien insbesondere die Frage kurzfristiger Entlastungsmaß nahmen in den Fokus.

Am 16. März fand außerdem der Energieminister:innen Rat statt, bei dem insbesondere das European Grids Package im Mittelpunkt stand. Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner brachte zudem einen Vorschlag zur Verbesserung des Merit-Order-Systems ein, mit Fokus auf mehr Transparenz. Ziel sei eine sachliche europäische Debatte über das Zusammenspiel von CO2-Preis und Strommarkt, um sicherzustellen, dass günstige erneuerbare Energie auch tatsächlich bei der Wirtschaft und den Haushalten ankommt.

W>>Weitere Informationen zum Thema und der gesamte Artikel 

EU-Klimapolitik am Prüfstand

Mit dem Beginn der Bepreisungsphase des CBAM seit 1.1.2026 und der anstehenden Revision des Europäischen Emissionshandels (EU-ETS) befinden wir uns 2026 in einem entscheidenden Jahr im Hinblick auf die Europäische Klimapolitik.

Nicht weniger als die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Wirtschaftsstandortes steht auf dem Spiel. Bei der Vorstellung des Green Deal im Jahr 2019 bezeichnete Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen diesen als die neue Wachstumsstrategie, die beweisen sollte, dass wirtschaftliches Wachstum Hand in Hand mit der Reduktion von Emissionen gehen kann. Heute, sieben Jahre später, sehen wir uns mit der harten Realität konfrontiert. Der Wirtschaftsstandort Europa gerät immer mehr ins Wanken und die heimischen Betriebe stehen vor immensen Herausforderungen, angeführt von den global höchsten Energiepreisen und einer Flut an bürokratischen Verpflichtungen, die der Green Deal nach sich zieht. Es zeigt sich damit deutlich, dass der eingeschlagene Weg einer deutlichen Kurskorrektur bedarf. Die anstehende Revision des EU-Emissionshandels bietet nun die Möglichkeit, den Unternehmen klare Signale zu senden.

>>Weitere Informationen zum Thema und der gesamte Artikel  

Energieeffizienz – was kommt auf Unternehmen zu

Die EU-Energieeffizienzrichtlinie (EED III) bringt für Unternehmen deutlich strengere Vorgaben, um den Energieverbrauch in der Wirtschaft weiter senken. Das bedeutet Änderungen bei Fristen, Auditpflichten und der Verantwortung des Managements.
Umstellung von Unternehmensgröße auf Energieintensität

Eine der wesentlichsten Änderungen ist die Abkehr vom bisherigen System, das Pflichten primär an die Unter nehmensgröße knüpfte. Während früher vor allem die Einstufung als KMU oder Nicht-KMU entscheidend war, orientiert sich die EED III nun an der tatsächlichen Energieintensität (Energieverbrauch pro Produktionsein heit) eines Unternehmens. Damit rückt der reale Energieverbrauch in den Mittelpunkt. Unternehmen mit einem jährlichen Gesamtenergieverbrauch

~ von mehr als 10 Terajoule (TJ) bis 85 TJ bzw. umgerechnet in die gebräuchlicheren Gigawattstunden

~ von mehr als 2,8 Gigawattstunden (GWh) bis 10 GWh müssen verpflichtend alle vier Jahre ein Energieaudit durchführen, unabhängig davon, ob sie formal als KMU gelten oder nicht.

Wird ein Verbrauch von mehr als 85 TJ bzw. 10 GWh überschritten, muss ein zertifiziertes Energie- oder Umweltmanagementsystem im Unternehmen implementiert werden, wobei beim Umweltmanagementsystem zusätzlich ein Energieaudit vorgeschrieben ist. Diese Umstellung führt dazu, dass auch energieintensive kleinere Unternehmen erstmals in den Geltungsbereich der strengeren Vorgaben fallen, während große, aber energiearme Betriebe aus der Verpflichtung fallen können.

EED III definiert Energieaudits Die EED III definiert zudem, wie Energieaudits künftig auszusehen haben. Sie müssen nach anerkannten Normen (z.B. ISO-Standards) durchgeführt werden, alle relevanten Energieflüsse erfassen und konkrete Einsparpotenziale aufzeigen. Wirtschaftlichkeitsanalysen werden verpflichtend: Unternehmen müssen Investitionskosten, Amortisationszeiten und Einsparpotenziale nachvollziehbar darstellen. Darüber hinaus verlangt die Richtlinie eine digitale Dokumentation und Übermittlung der Auditdaten an nationale Stellen, was in Österreich über die Energieeffizienz-Monitoringbehörde E-Control erfolgen wird.

>>Weitere Informationen zum Thema und der gesamte Artikel

Weitere interessante Artikel
  • Überlappung der EU- und Österreich-Flagge: Blauer Stoff in Falten mit gelben in Kreisform angelegten Sternen verlaufen in rot-weiß-rot gestreiften Stoff
    EU-Aktuell für die österreichischen Elektrogewerbe
    Weiterlesen
  • Strommasten unter Wolkenhimmel, darüber Overlay gelber Sterne in Kreisform und eines Pfeiles mit Knicken der nach oben deutet
    EU-Aktuell Nr. 3: News für die Elektrogewerbe
    Weiterlesen
  • Blauer Boden mit im Kreis verlaufenden gelben Sterne, die Flagge der Europäischen Union symbolisierend, Schattenumrisse von vier Personen erkennbar
    EU-Aktuell Nr. 1: News für die Elektrogewerbe
    Weiterlesen