Aktuelle Entwicklungen der Energiemärkte: Update für Elektrotechniker
Energiemarkt-Update September 2026
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Energiepreis-Indizes
Die Österreichische Energieagentur hat die aktuellen Energiepreisindizes am 24. August 2026 bekanntgegeben. Der Gaspreisindex auf Monatsbasis (ÖGPIMonat) zeigt im September 2026 gegenüber dem Vormonat einen Anstieg von 16,6 %. Im längerfristigen Vergleich liegt der Index mit einem Plus von 71,1 % deutlich über dem Niveau des Vorjahres: Er erreicht 61,29 €/MWh.
Der Strompreisindex auf Monatsbasis (ÖSPIMonat) steigt im September 2026 gegenüber dem Vormonat um 26,02 %. Im Vergleich zum September 2025 liegt der Index um 68,12 % höher. Der Index liegt bei einem Wert von 147,17 €/MWh.
Der Spitzenlastpreis liegt dabei auf dem Niveau des Grundlastpreises.
Gaspreis auf höchstem Wert seit Jänner 2023 – Industrie unter massivem Kostendruck
Der Iran-Konflikt hält die Energiepreise im September 2026 auf hohem Niveau und sorgt weiterhin für einen klaren Aufwärtstrend bei Öl und Gas. Europa und Österreich spüren die Auswirkungen unmittelbar – und die langsame Befüllung der Speicher wirkt zusätzlich auf die Preise. Die österreichische Industrie – insbesondere die hoch energieintensiven Branchen wie vor allem Chemie, Stahl, Metalle, Papier, Steine, Erden und Glas – spürt die höheren Energiepreise deutlich. Aber auch die anderen Industrieunternehmen kämpfen mit hohen Kosten. Die Prognosen für Herbst und Winter zeigen keine Entspannung.
Der anhaltende Konflikt zwischen Iran und den USA sowie mehreren regionalen Akteuren treibt die globalen Energiepreise weiter nach oben. Besonders die Lage an der Straße von Hormus – einem der wichtigsten Energie-Nadelöhre der Welt – sorgt für erhebliche Marktverwerfungen. Öl und Gas reagieren empfindlich auf die zunehmenden Risiken, die Transportwege, Infrastruktur und Lieferketten betreffen. Insbesondere sind dies Angriffe auf Raffinerien und Energieinfrastruktur in Saudi-Arabien und Katar, Umleitungen von Tankern über längere Routen, höhere Versicherungsprämien, und letztlich Marktpsychologie: Risikoaufschläge und Angst vor zukünftiger Knappheit.
Ölmarkt: Brent steigt auf über 95 Dollar
Der Brent-Rohölpreis verzeichnet Anfang September einen deutlichen Aufwärtstrend und lag Anfang September bei rund 96 US-Dollar pro Barrel. Im Monatsvergleich ergibt sich ein Anstieg von 22 Prozent, im Jahresvergleich sogar von 45 Prozent. Hauptursache für den jüngsten Preissprung sind militärische Eskalationen und Angriffe im Nahen Osten - unter anderem US-Militärschläge sowie Gegenreaktionen im Zusammenhang mit dem Iran. Dies schürt am Markt Sorgen vor Lieferunterbrechungen bei wichtigen Versorgungsrouten wie der Straße von Hormus. Nach einer vorausgegangenen Konsolidierungsphase haben spekulative Käufe und eine Verknappung des Diesel- und Treibstoffangebots den Aufwärtsimpuls weiter verstärkt. Die Preisbewegungen sind durch Risikoaufschläge klar geopolitisch geprägt: Erneute US-Angriffe auf iranische Militärziele, iranische Gegenangriffe auf Infrastruktur und Tankerbewegungen, stark eingeschränkter Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, höhere Transportkosten, reduzierte Deckung der Versicherer.
Gasmarkt Europa: TTF über 73 €/MWh
Der Nahostkonflikt bleibt auch am Gashandelsmarkt das bestimmende Thema. Aber auch eine Mitteilung aus Norwegen betreffend verlängerter Wartungsarbeiten sorgte im August für Aufregung. Der europäische Leitpreis TTF notierte Anfang September bei 73,67 €/MWh. Die jüngsten Trends zeigen eine klare Aufwärtsbewegung: plus 10,7 Prozent in den letzten sieben Tagen, plus26,6 Prozent im Monatsverlauf. Die EU-Gasspeicher sind derzeit nur zu 65,4 Prozent gefüllt – deutlich weniger als die üblichen ~88 Prozent zu dieser Jahreszeit. Gleichzeitig sind die LNG-Lieferungen aus Katar durch den Konflikt beeinträchtigt.
Gasmarkt Österreich: CEGH-Preis steigt auf 74 €/MWh
Die Day-Ahead Gaspreise sind im Monatsmittel zwischen rund 14,92 und 15,58 Prozent gestiegen. Auch die Preise für das Frontmonat haben sich um 15,23 Prozent erhöht. Die Futures für 2027 sind ebenfalls um 10,65 bzw. 11,40 Prozent teurer als noch im Juli.
Der Monatsdurchschnitt im August lag bei 63,55 €/MWh, womit der aktuelle Wert deutlich darüber liegt. Der Preis für Lieferungen für das Kalenderjahr 2027 lag zuletzt bei 56,5 €/MWh, für 2028 bei 38,1 €/MWh und für 2029 bei 30,9 €/MWh.
Gasspeicher füllen sich langsam und sind zu zwei Dritteln gefüllt
Die Gasspeicher füllen sich im Vergleich zu den letzten Jahren nach wie vor sowohl in Österreich als auch in Europa deutlich langsamer. Hauptgrund dafür ist der fehlende wirtschaftliche Anreiz zur Einspeicherung aufgrund der aktuell hohen Preise. In Österreich hat sich der Speicherstand im August von 60,76 TWh um 6,26 TWh auf nunmehr 67,02 TWh oder 66,84 Prozent des Arbeitsvolumens erhöht. Damit sind Anfang September 85,71 Prozent des jährlichen Inlandsbedarfes eingelagert. In Europa konnte der Speicherstand im Juni von 642,60 TWh um 96,50 TWh ausgebaut werden und beträgt nunmehr 739,10 TWh oder 65,39 Prozent des europäischen Arbeitsvolumens.
Prognosen für Herbst/Winter 2026: Öl und Gas bleiben teuer
Der Iran-Krieg erzeugt einen strukturellen Risikoaufschlag bei allen Energiepreisen. Solange die Straße von Hormus nicht stabil befahrbar ist, bleiben Öl und Gas klar im Aufwärtstrend. Echte Entspannung ist erst bei diplomatischen Fortschritten realistisch.
Gemäß Prognosen bleiben die Energiepreise im Herbst hoch – mit klarer Aufwärtsneigung, solange der Iran-Krieg anhält. Zusätzlich zeigen Wettermodelle kältere Phasen im Oktober und November. Der Gaspreis am TTF bewegt sich im Prognosekorridor 78–92 €/MWh, der Ölpreis Brent im Bereich 98–112 $/Barrel bis Dezember – je nachdem, ob es zur Entspannung kommt oder die Situation am Golf weiter eskaliert. Für Österreich bedeutet das beim Gas voraussichtlich Preistrends zwischen 74 und 90 €/MWh (CEGH folgt TTF mit einem Abschlag von 2–4 €/MWh).